Zukunft Elbe Startseite
15.06.2006
„Wir wollen die Achse Lübeck-Hamburg stärken“
Der ehemalige SPD-Wirtschaftsminister Schleswig-Holsteins, Bernd Rohwer, wird nicht nur ab 1. Oktober 2006 Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer zu Lübeck, sondern ab 2007 auch Geschäftsführer der IHK Schleswig-Holstein. Das ist ein Zusammenschluss der Kammern Lübeck, Kiel und Flensburg. Mit den LN sprach Rohwer über seine Pläne für die Region Lübeck und die angestrebte stärkere Kooperation mit Hamburg.
Lübecker Nachrichten: Welcher Headhunter ist seit wann hinter Ihnen her gewesen?
Bernd Rohwer: Ich bin vor einemhalben Jahr von Bernd Jorkisch, dem Präses der IHK zu Lübeck, angesprochen worden. Im Laufe der Gespräche wurde die Aufgabe immer reizvoller, für die Wirtschaft in der Region Lübeck aber auch für Schleswig-Holstein eine strategische Weichenstellung einzuleiten.

LN: Worum geht es dabei?
Rohwer: Wir wollen die Achse Lübeck - Hamburg weiter ausbauen und verstärken. Zugleich sollen dieKooperationsmöglichkeiten der schleswig-holsteinischen Kammern verbessert werden, um die Effizienz und dieServicequalität für die Mitgliedsbetriebe zu stärken.

LN: Wie soll das konkret aussehen?
Rohwer: Wir müssen die Kräfte im Norden bündeln und mit einer Stimme sprechen. Ziel ist die gemeinsame Stärkungund Weiterentwicklung des Standortes Norddeutschland. Das hört nicht an Kammerbezirksgrenzen auf.

LN: Gibt es schon konkrete Projekte für die Sie als Geschäftsführer der IHK Schleswig-Holstein ab 2007 verantwortlich zeichnen?
Rohwer: Die Leistungen können noch optimiert werden. Den Gremien der Kammern in Schleswig-Holstein und Hamburg werden kurzfristig Vorschläge unterbreitet werden, auf welchen Geschäftsfeldern eine engere Verzahnung Vorteile bringen kann. Für mich ist entscheidend, dass man die doppelte Perspektive von Lübeck nach Hamburg und von Lübeck nach Schleswig-Holstein gemeinsam stärkt und umsetzt. Und dieses vom Standort Lübeck aus.

LN: Die Stadt Lübeck will ihre Anteile an der Lübecker Hafen-Gesellschaft verkaufen. Ist aus Ihrer Sicht die Hamburger Hafen- und Logistik AG (HHLA) der ideale Investor?
Rohwer: Ich möchte mich jetzt zu einzelnen Unternehmen, die sich beteiligen wollen, nicht äußern. Ich kann nurempfehlen, den Lübecker Hafen in einer Eigentümerstruktur so weiter zu entwickeln, dass die Entscheidung über dieHafenentwicklung in Lübeck verbleibt und dass bei der weiteren strategischen Entwicklung Partner aus Norddeutschland eine starke Position erhalten sollten.

LN: Die Stadt sollte also an der Mehrheit der Anteile nicht rütteln und vom Verkauf von 90 Prozent der Anteile absehen?
Rohwer: Als designierter Hauptgeschäftsführer der IHK möchte ich heute noch keine Diskussion vorweg nehmen. Ichwerde mich dazu rechtzeitig zu Wort melden.

LN: Wie wird die Kammerlandschaft in Schleswig-Holstein in einigen Jahren aussehen? Die Politik will eigentlich dieFusion. Wird die IHK zu Lübeck ihre Eigenständigkeit erhalten können?
Rohwer: Ich kann die Zukunft nicht vorhersehen. Wir sind sicher gut beraten, in den nächsten zwei bis drei Jahren alles dafür zu tun, dass die Kammern im Norden enger zusammen rücken und so viele Aufgaben wie möglich gemeinsam erledigen und damit schlagkräftiger werden. In Schleswig-Holstein mit Hamburg zusammen und das bei einer starken Positionierung Lübecks.

LN: Verstehen Sie sich in Ihrer neuen Funktion als Wahrer der Interessen der südholsteinischen Wirtschaft und alsBollwerk gegen die Übermacht in Kiel?
Rohwer: Ich trete als IHK-Hauptgeschäftsführer für den IHK-Bezirk Lübeck ein. Das ist meine Hauptaufgabe. Aber natürlich denke ich über diese Region hinaus.

LN: Wollen Sie „arrogante Hanseaten und „arme Vettern wieder an einen Tisch bringen?
Rohwer: Ich glaube, dass hier manche, vielleicht leichtsinnige und unüberlegte Fehler im Umgang miteinander gemacht worden sind. Die Region Südholstein gehört zusammen. Unabhängig von bestehenden Kreisgrenzen. Wir müssen alles dafür tun, diese Grenzen zu überwinden.LN: Soll die engere Zusammenarbeit mit Hamburg auch ein Signal an die Politik sein, in Richtung Nordstaat?Rohwer: Der Nordstaat sollte ein Ziel sein. Allerdings mit einer starken Position Schleswig-Holsteins. Wir dürfen nicht nur ein Anhängsel Hamburgs werden.

Interview: Gerhard Krüger und Kai Dordowsky
Lübecker Nachrichten 15.06.2006