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Die Hamburger Wirtschaft sieht für das Jahr 2008 Chancen und Risiken. Das ging aus den Reden der hanseatischen Wirtschaftsgrößen vor dem Überseeclub hervor, der gestern Abend zum Jour Fixe geladen hatte. Hamburg stehe vor den größten Herausforderungen im Ausbau von Kapazitäten und Infrastruktur in der mehr als 800jährigen Hafengeschichte, sagte Klaus-Dieter Peters, Vorstandchef der HHLA. Damit die notwendigen Investitionsprogramme nicht gefährdet werden, appellierte Peters an den Senat, der Anmeldung des Wattenmeers als Weltnaturerbe bei der Unesco nicht zuzustimmen, "bis nicht zweifelsfrei feststeht, dass eine derartige Maßnahme im Nachhinein nicht gegen die Fahrrinnenanpassung instrumentalisiert werden kann."
Eine Elbvertiefung in Unter- und Aussenelbe sei Grundbedingung für die erfolgreiche Umsetzung der Hafenerweiterung, sagte Peters. Er erinnerte daran, dass der Hafen im vergangenen Jahr wirtschaftliches Zugpferd und Jobmaschine für Norddeutschland gewesen sei. Der Erfolg des Hafens habe 2007 für 2000 neue Arbeitsplätze und 900 Millionen Euro Steuereinnahmen allein für Hamburg gesorgt.
Der akute Fachkräftemangel bremst nach den Worten des Vorsitzenden des
Industrieverbands Hamburg (IVH), Frank Horch, zunehmend den
Beschäftigungsaufbau in der Industrie. "Ausgehend vom
Konjunkturoptimismus des Jahres 2007 haben die Geschäftserwartungen der
Industrieunternehmen zuletzt einen spürbaren Dämpfer erhalten", so
Horch. Die Geschäfte der Unternehmen liefen aktuell nicht mehr ganz so
gut wie noch in der ersten Jahreshälfte 2007. Vor allem in den baunahen
und in den konsumbezogenen Branchen habe sich das Stimmungsbild zuletzt
spürbar verschlechtert. Robust sei dagegen die Nachfrage nach deutschen
Investitionsgütern. Horch: "Die Hamburger Industrie ist mit einem
Umsatz von rund 65 Milliarden Euro einer der wichtigsten
Industriestandorte Deutschlands. 15 der größten deutschen
Industrieunternehmen haben ihren Sitz in der Hansestadt." Die Branche
zähle in Hamburg rund 500 Unternehmen mit rund 100 000 Beschäftigten.
Für 2008 forderte Horch, dass der Senat ausreichend Industrieflächen
zur Verfügung stellt. Wie Peters plädierte der IVH-Chef für die
Umsetzung der geplanten Infrastrukturprojekte wie Elbvertiefung,
Hafenquerspange oder Elbquerung. "2008 wird viele Herausforderungen
bieten", sagte Harald Vogelsang. Vorstandssprecher der Haspa, für seine
Branche. Dabei sei es schon 2007 nicht nur schwieriger geworden, Geld
zu verdienen. Es sei fast noch schwieriger gewesen, kein Geld zu
verlieren.
Die Hansestadt biete allerdings eine gute Basis für
das Geschäft mit vermögenden Privatkunden. Durch Erbschaften bedingt
stünden in den nächsten Jahren erhebliche Vermögensumschichtungen an,
die dem Markt durchaus Wachstumsraten zwischen fünf und sieben Prozent
bescheren dürften.
Laut Handwerkskammerpräsident Peter Becker
blickt das Hamburger Handwerk optimistisch in die Zukunft. Doch äußerte
er sich besorgt über die noch nicht ausreichende Binnenkonjunktur.
Damit die Binnennachfrage verlässlich an Fahrt gewinne, sei es wichtig,
dass die Menschen endlich mehr Netto von ihrem Brutto in der Tasche und
damit zum Ausgeben hätten.
Für den Hamburger Einzehhandel sprach
Schuhhändler Ludwig Görtz. Er klagte über die Änderung der gewerbsteuer
zum Jahreswechsel, die besonders für den Einzelhandel mit größeren
Kosten verbunden sei. Moderator Günther Klemm, der Chefvolkswirt der
Handelskammer, rechnet vor dem Hintergrund der guten Entwicklung des
vergangenen Jahres für 2008 damit, dass Hamburg Hamburgs Wirtschaft um
rund 2,5 wächst. Mit dieser Wachstumsrate werde Hamburg erneut über dem
Bundesdurchschnitt liegen.
Die Welt Online 9.1.2008
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